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Warum kommen beim Positiven Grübeln immer wieder negative Gedanken oder Gefühle?

Positiv Grübeln ist kein Schalter

Unser Gehirn verändert sich nicht auf Knopfdruck. Wer jahrelang gelernt hat, auf Risiken, Fehler und mögliche Probleme zu achten, wird diese Gewohnheit nicht innerhalb weniger Tage ablegen.

Stell dir vor, du trainierst einen Muskel. Niemand würde erwarten, dass dieser Muskel nach dem ersten Training plötzlich stark genug für jede Belastung ist. Im Gegenteil: Vielleicht zittert er sogar schon nach wenigen Wiederholungen. Das Zittern ist kein Zeichen dafür, dass das Training nicht funktioniert. Es ist ein Zeichen dafür, dass der Muskel gerade arbeitet.

Mit dem Positiven Grübeln ist es ähnlich.

Wenn deine Gedanken immer wieder in alte Sorgen zurückrutschen, bedeutet das nicht, dass du gescheitert bist. Es bedeutet, dass du gerade eine neue Denkgewohnheit trainierst.

Entscheidend ist nicht, dass die negativen Gedanken nie wieder auftauchen. Entscheidend ist, dass du sie bemerkst und immer wieder zu den hilfreichen Gedanken zurückkehrst.

Jede dieser Rückkehrbewegungen ist ein Trainingsfortschritt!

 

Warum gerade die hartnäckigen Gedanken interessant sind

Mit der Zeit habe ich noch etwas anderes beobachtet: Manche negativen Gedanken tauchen immer wieder auf. Sie scheinen sich hartnäckig gegen jeden positiven Gedanken zu wehren.

Genau diese Gedanken verdienen besondere Aufmerksamkeit. Deshalb empfehle ich meinen Klientinnen und Klienten oft, solche Gedanken aufzuschreiben. Nicht, um sich weiter mit ihnen zu beschäftigen. Sondern um sie später genauer zu untersuchen. Denn häufig verstecken sich dahinter tiefere Überzeugungen über uns selbst und die Welt.

Vielleicht steckt dahinter ein strenger innerer Kritiker.

Vielleicht ein alter Glaubenssatz wie: „Ich bin nicht gut genug.“ „Ich darf keine Fehler machen.“ „Ich muss alles allein schaffen.“

Oder es wirken emotionale Erfahrungen aus der Vergangenheit nach, die bis heute beeinflussen, wie wir uns selbst sehen.

 

Wenn positive Gedanken auf Widerstand stoßen

Manchmal passiert etwas Merkwürdiges. Ein positiver Gedanke ist eigentlich vernünftig und hilfreich – und trotzdem fühlt er sich nicht richtig an. Als würde innerlich sofort jemand widersprechen.

Dann kann es sein, dass alte Erfahrungen oder Überzeugungen selbst positive Gedanken „verunreinigen“. Der positive Gedanke wird sofort relativiert:

„Das war nur Glück.“ „Das schaffe ich bestimmt nicht noch einmal.“ „Andere können das besser als ich.“

In solchen Momenten zeigt sich oft, dass es nicht genügt, nur positivere Gedanken zu finden. Dann lohnt es sich, die tieferen Ursachen genauer anzuschauen.

 

Negative Gedanken sind eine wichtige Informationsquelle

Viele Menschen kämpfen gegen ihre negativen Gedanken. Ich sehe sie eher als Hinweise. Natürlich müssen wir nicht jedem negativen Gedanken glauben. Aber wenn derselbe Gedanke immer wieder auftaucht, lohnt es sich manchmal, neugierig zu werden.

Vielleicht zeigt er auf ein Thema, das noch Aufmerksamkeit braucht. In diesem Sinne ist Positives Grübeln nicht nur ein Training. Es ist auch eine Möglichkeit, die eigenen inneren Muster besser kennenzulernen.

 

Die Rückkehr negativer Gedanken ist deshalb nicht automatisch ein Zeichen des Scheiterns. Manchmal ist sie der erste Hinweis auf das eigentliche Thema. Und genau dort beginnt oft die tiefste Veränderung.

Sonja Höhn

Diplom-Psychologin

Burgblick 66

35327 Ulrichstein

 

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